Freiwilligendienst fernab der Heimat
Mit der Schule fertig, was jetzt!?
2003 geboren in NRW, aufgewachsen in Hessen und jetzt 8 Monate in Bayern. So schnell kann es gehen. Eben sitzt man noch in der Schule und bekämpft das starke Bedürfnis einzuschlafen und schon wacht man in einem Bett im Herzen des Allgäus auf.
Wie viele andere Schüler*innen wird man nach der Schule, kaum erholt von den Abschlussprüfungen, ins Leben geworfen und ist mit der Frage konfrontiert: „Was fange ich mit meinem Leben an?“
Ich kann sagen, dass ich mich in der Prüfungsphase lediglich -wie sollte es anders sein- auf die Prüfungen konzentriert habe. Davor hatte ich zudem nicht wirklich einen Plan, wie es nach meinem Abschluss weitergehen soll. Der Prüfungsstress verdrängt gerne die existentiellen Fragen aus dem Alltag.
Mit dem Abiturzeugnis in der Hand feiert man kurz den Triumph über 13 Jahre Schule und nutzt die neugewonnene Freizeit für den ein oder anderen Urlaub und die Sachen, die man während der Prüfungszeit vernachlässigt hat. Dann aber setzt sie wieder ein, über Monate verdrängt und jetzt stärker denn je: die Frage „Was jetzt?“
Als ich mit eben dieser Frage konfrontiert war, habe ich ein breites Spektrum an Ideen auf mich einwirken lassen, vom Studium über Praktika, eine Ausbildung bis hin zum Freiwilligendienst war alles dabei. Studium und Ausbildung schieden für mich aus, da ich mich ohne konkrete Vorstellung einer Fachrichtung nicht in eines der beiden Dinge stürzen wollte. Mit den Praktika war es ähnlich. So blieb letztendlich eines übrig, der Freiwilligendienst. Die Entscheidung dafür ist das eine, die Antworten auf die Fragen: „Wann? Wo? Und wie lang?“ das andere. Abhilfe schaffte eine Information meiner Mutter: „Ich habe gesehen, dass das Allgäuhaus auch Stellen für Freiwilligendienstleistende anbietet“. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich nicht ziemlich skeptisch dieser Idee gegenüberstand. Doch was blieb mir übrig, an jeder Idee einen Makel zu finden würde mich auch nicht weiterbringen. Und das Allgäuhaus kannte ich zumindest. Zumindest war das passende Wort, denn mein letzter Besuch dort war auch schon wieder einige Jahre her. Dennoch hatte ich es als sehr positiv in Erinnerung, vor allem das Essen.
So bewarb ich mich also hier und nach einigen Telefonaten und ein wenig Bürokratie war ich drin: Acht Monate Bundesfreiwilligendienst im Allgäuhaus in Wertach. Der Umzug aus Kassel ging ziemlich schnell und ich hatte kaum Zeit die Lage wirklich zu erfassen. Eine Folge daraus war ein reger, sehr einseitiger Paketverkehr zwischen meiner Heimat und dem Allgäuhaus.
Die ersten Tage waren eher befremdlich, allein in einem neuen Bundesland, für acht Monate bei den Eltern ausgezogen. Aufgenommen wurde ich dennoch sehr freundschaftlich, was mir den Übergang auf jeden Fall erleichterte.
In den ersten zwei Wochen bekam ich einen Einblick in das Ferienprogramm unseres Hauses. Trotz fehlender Erfahrungen in diesem Bereich konnte ich mich einbringen. Auch wenn ich anfangs eher als Beobachter fungiert habe und mir ansah, wie es hinter den Kulissen der Betreuung aussieht. Über die acht Monate meines Freiwilligendienstes war ich Betreuer in vielen Freizeiten und ich kann sagen, dass ich neben wachsender Erfahrung und daraus resultierendem Selbstbewusstsein in meiner Arbeit vor allem genossen habe, immer wieder auf neue Ferienhelfer*innen zu treffen und mit diesen zusammen zu arbeiten.
Bald darauf startete mein erster Tag im Service. Vorbereitung, Bedienung und Reinigung des Speisesaals - alles für einen reibungslosen Ablauf und ein angenehmes Speiseerlebnis. Auch hier konnte ich kaum mit Erfahrung punkten, wenn man jedoch motiviert ist und sich auf die engagierten und freundlichen Kollegen*innen einlässt, sollte es ein Leichtes sein.
In der Küche ist es ähnlich, auch wenn sich die Aufgaben dort auf die Unterstützung bei der Zubereitung von Speisen und die Geschirraufbereitung konzentrieren. In der Küche habe ich meist etwas lieber gearbeitet, das ist aber wahrscheinlich bei jeder*m anders.
Oben darauf kommt noch der „exklusive Arbeitsbereich“ der Freiwilligendienstleistenden. Hier umfassen die Aufgaben ein kaum vorstellbares Spektrum. Dieses Aufgabengebiet ist ein Sammelort all der Aufgaben, die zwar gemacht werden müssen, aber in keine andere Stellenbeschreibung so richtig rein passen. Dazu gehört z.B. das Kontrollieren von Brettspielen auf Vollständigkeit, das Auffüllen von Flüssigklebern, hausinterne Lieferdienste und das Vorbereiten von Malvorlagen. Diese Aufgaben mögen vielleicht unbeliebt wirken, meist jedoch kann man diese in Ruhe mit ein wenig Musik erledigen und das ist eine willkommene Abwechslung vom sonstigen regen Arbeitsalltag.
Zu besonderen Anlässen wie Silvester und Ostern hier im Haus zu arbeiten war auf jeden Fall eine wertvolle Erfahrung, denn auch hier profitiert man von dem aufwendigen Essen, den großen räumlichen Möglichkeiten des Hauses und dem Beisein vieler sympathischer Menschen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich die acht Monate im Allgäuhaus sehr genossen habe, auch wenn es nicht immer einfach war. Ich habe neue Freunde gefunden, viele Erfahrungen in der Arbeitswelt und dem Leben gemacht und auch über mich selbst einiges erfahren. Ich denke ich kann den Freiwilligendienst hier im Haus guten Gewissens weiterempfehlen. Man sollte sich jedoch stets der Einzelheiten bewusst sein, auf die man sich einlässt, wenn man über eine längere Zeit hier lebt. Die Entscheidung für einen Freiwilligendienst sollte also nicht zu leichtfertig getroffen werden, um eine anhaltende Zufriedenheit zu erlangen. Es macht also Sinn wie ich vorab für ein paar Wochen als Ferienhelfer*in zu arbeiten und sich einen ersten Eindruck vom Haus und der Aufgabenfülle zu machen - und dafür sogar bezahlt zu werden! Sobald man jedoch vom Haus und der eindrucksvollen Umgebung überzeugt ist, steht einer Zeit voller neuer Herausforderungen, Erfahrungen und neuen Freunden nichts mehr im Weg!
Text: Malte Koch